Emily beobachtete die ganze Zeit. Seit sie Shanna zur Seite gestanden hatte und ihr geholfen hatte, diese hohe Anzahl von J?gern zu t?ten. H?tten sie es nicht getan, würden sie jetzt tot in einer gro?en Blutlache auf dem Boden liegen. Oft mussten sie Entscheidungen treffen, worüber nicht nachgedacht werden durfte. Sofern sie die Kontrolle behalten wollten, dann mussten sie Dinge tun, die sie eigentlich gerne vermieden h?tten. So empfand sie es pers?nlich, weil sie zuvor allem aus dem Weg gegangen war, soweit sie es konnte.
Jedenfalls, als Emily ihre Tochter... zeitgleich ihre Schwester... dabei beobachtete, wie nahe und ohne jegliches Z?gern sie sich dieser verwandelten Bestie n?herte… als kenne Shanna seine furchteinfl??ende Gestalt. Ihr war auch nicht entgangen, wie dieser t?dliche, raubtierhafte Blick auf ihr geruht hatte, kurz davor sie anzugreifen und vermutlich genauso in zwei Teile gerissen zu werden wie dieser Wissenschaftler zuvor. Wie leicht dies ausgesehen hatte… war bemerkenswert erschreckend. Womit Emily am Ende überhaupt nicht gerechnet hatte, war diese offenkundige und fürsorgliche Behandlung dieser m?rderischen Bestie gegenüber Shanna. Seine Aufmerksamkeit hatte sich sofort auf ihre Schwester gerichtet, w?hrend sie ihn umarmt hatte. Als h?tte sie das gr??te Recht dazu. Und je mehr sie aufmerksam ersp?hte, desto mehr zog es in ihrer Brust.
Emily musste ihren Blick davon l?sen und sah nun diesen anderen Wolf namens Hamish an, der ihr dabei geholfen hatte, alle anderen Wolfswandler durch das Portal zu schicken, w?hrend sie Shanna zu Hilfe geeilt war. Es war besser, dass sie als J?gerin nicht anwesend war und hatte nur ein Portal zu N?x? ge?ffnet und ihm ein Zeitlimit genannt, sodass alle durchgehen konnten. Den einen Schlüssel hatte sie ihm gegeben und nicht darüber nachgedacht, ob er ihn ihr zurückgab. Emily bemerkte an seiner Reaktion, wie Hamish ebenfalls seinen Blick abwandte, als geh?rte es sich nicht, und schob die beiden kleinen Kinder wieder zurück in den anderen Raum. Sein wilder, zugewachsener Kopf und seine dunkelblauen Augen hatten sie kalt und erwartungsvoll angestarrt… als meinte er, sie sollte ihnen folgen. Was sie auch nach einem letzten Blick zu Shanna tat. Anscheinend brauchten sie diese Privatsph?re für sich und Emily hoffte nur, dass dies nicht zu lange dauern würde. Immerhin waren sie hier nicht sicher.
Vielleicht vergingen zwanzig Minuten… oder gesch?tzt eine halbe Stunde, bis Shanna mit dem Wolfswandler in den Raum trat. Der erste Blick, worauf Emily fokussiert war, war, wie sie beide H?ndchen hielten. Stirnrunzelnd betrachtete sie diese einfache Geste und verspürte das tiefe Gefühl dieser Intimit?t und Dazugeh?rigkeit. Dies war die Entscheidung, die ihr… Kind getroffen hatte. Shanna hatte erw?hnt, dieser Mann und Wolf sei ihr Gef?hrte… den sie sich für sich selbst erw?hlt hatte. Weil sie davon sprach, sie w?ren Gef?hrten, weil das Schicksal sie dafür ausgesucht hatte. Irgendwie konnte Emily diese h?here Macht nicht begreifen oder verstehen lernen. Unter J?gern gab es keinerlei solche intensiven und k?rpernahen Verbindungen zu Partnerschaften. Alles davon w?re eine Schw?che. Gerade deswegen sollte keiner diese Angriffspunkte sehen, weil sie oft gegeneinander ausgespielt werden k?nnten. Sogar so weit, dass der Tod desjenigen über einen kommen konnte. J?ger besa?en darin keine Skrupel und jeder andere würde dieses Ziel… diesen Makel, den Shanna mit diesem Wolf besa?, schamlos ausnutzen. Ohne jegliche Reue, Gewissen oder jegliche anderen Gefühle, die nur unnützer Ballast w?ren. Dennoch besa? Emily nicht die Befugnis, sich darin einzumischen. Nein, sie würde ihre Schwester nicht verraten, das stand fest, aber diesen Aspekt in ihrem Leben hatte sie sich selbst erw?hlt und würde dieses riesige Risiko eingehen. Immerhin hatte Shanna ihren Platz in ihrem Leben selbst auserkoren. Genau das musste Emily respektieren.
Als der Wolfswandler namens Neil meinte, er würde nicht eher fortgehen, bis hier alles zerst?rt war, hob Emily ihre Augenbrauen. Ohne zu z?gern, trat der braunhaarige Mann in den Raum und… erneut geschah diese erschütternde Verwandlung. Einfach so… stand diese unheimliche, todbringende Kreatur in diesem Raum… mit gefletschten Rei?z?hnen und einem tiefen, rauen animalischen Knurren, das aus seiner Kehle empordrang. Seine rei?enden Krallen rissen nun alles nieder und machten aus allem Kleinholz, als w?re es keine Mühe wert. Emily musste bei dieser Erscheinung hart schlucken, ihr Herz setzte unregelm??ig aus, w?hrend ihr Fluchtinstinkt schrie, sie müsse aus diesem Raum heraus. Ihr ging es nicht anders, weil Hamish und die Kinder ebenfalls diesen pl?tzlich eng gewordenen Raum verlie?en. Nicht unn?tig mit dieser Bestie in dieser H?hle zusammen zu verbringen. Nur Shanna war die Einzige und diejenige, die an Ort und Stelle stehenblieb. Sie beobachtete diese zerst?rerische Bestie, als verspürte sie keinen Funken Angst oder Widerwillen.
?Erschreckend… wie mühelos Neil sich den silbernen K?figen widmet, als… w?ren sie nichts weiter als billiges, minderwertiges Material, das zu nichts taugt… oder so schnell zu brechen ist… als w?ren es nur ein paar verfluchte Grashalme“, knurrte Hamish neben ihr, seine Stimme missbilligend und gleichzeitig voller Ehrfurcht. Obwohl dieser Wolf einer von ihnen war, verspürte Emily den riesigen Unterschied.
?Er… sieht so stark aus“, keuchte der kleine Junge neben dem gro?en Wolf und seine Augen funkelten vor Begeisterung, w?hrend sie alle nicht den Blick von dem zerst?rerischen Schauspiel abwenden konnten.
?Aye, aber… ihr müsst vorsichtig sein. Wir kennen solche… Bestien nicht und es ist mir ein R?tsel. Ihr müsst aufpassen“, befahl Hamish den beiden Kindern, die trotz Staunen noch nicken konnten.
Emily schaute im richtigen Augenblick wieder zu Shanna, als sie die braune Hose wieder an Neil weiterreichte, die er ordentlich über seine Hüften zog. Es war nicht so, dass sie nicht schon genug nackte M?nner gesehen hatte. Nicht wegen k?rperlichem Geschlechtsverkehr, sondern wegen Trainingsangelegenheiten, weil sie als J?ger schmerzhaft lernen musste, keine Scham zu empfinden oder nicht aus der Fassung zu geraten, wenn andere nackt vor ihnen auftauchten. Zum Beispiel diese Gestaltenwandler, die kaum Peinlichkeit empfanden, wenn sie sich fasernackt zurückverwandelten. J?ger mussten jegliche Reaktionen unterdrücken und vor allem durften sie keine Gelüste empfinden. Immerhin hing das eigene Leben daran, wenn nur eine kleine Millisekunde gez?gert wurde.
Ohne wirklich hier weiter stehen zu bleiben und die Situation heraufzubeschw?ren, hier wirklich erwischt zu werden, musste Emily vorher noch etwas wissen. ?Bevor wir weitergehen… muss ich genau wissen, was für Wesen diejenigen sind, die ihr vermisst?“
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Verwundert drehte Hamish sich zu ihr um, sein Gesichtsausdruck war misstrauisch, irritiert und vorsichtig. ?Warum… willst du das wissen?“ Seine dunkelblauen Augen verengten sich argw?hnisch.
Emily konnte verstehen, warum er misstrauisch war. ?Weil ich sonst nicht genau absch?tzen kann, wo wir anfangen müssen zu suchen“, beharrte sie darauf.
?Sie meint es nicht b?swillig“, mischte sich Shanna ein, weil sie anscheinend ihr Gespr?ch bemerkt hatte. ?Emily kennt einen ungef?hren Lageplan dieses Labyrinths und wo sich einige Bereiche befinden. Hier werden die Gefangenen in widersprüchlichen eigenen Eigenschaften in Gebiete aufgeteilt, die ein natürlicher Nachteil für denjenigen sind. Wie zum Beispiel haben wir die beiden kleinen Kinder in einem Gebiet glühender Hitze, Trockenheit und Feuer gefunden. Da sie ein Wasser- und ein Eisdrache sind. Oder wie ihr Wolfswandler, die auf Silber stark reagieren.“ Shanna deutete auf den zerst?rten Raum mit allen silbernen K?figen.
Ein weiteres tiefes Grollen entstieg der Kehle dieses Wolfes und das Misstrauen war immer noch vorhanden. Emily erkannte es auch nun an seinen leuchtenden dunkelblauen Augen, als w?re sein Tier im Vordergrund. ?Mein Alpha ist ein Feuerdrache und die beiden Jungen… ebenfalls ein Feuerdrache und der andere ein Luftdrache. Reicht das als Information?“, fragte Hamish ruppig.
?Ja, das reicht vollkommen“, erwiderte Emily mit einem kurzen Nicken und griff auf ihr inneres Wissen zurück und auf das Talent, worüber sie verfügte. ?Alle drei Kategorien würde ich auf die eisige Ebene vermuten. Bei beiden Feuerdrachen definitiv und als Luftdrache w?re es dort ebenfalls gef?hrlich und ungemütlich. Um dorthin zu gelangen, müssen wir noch einmal ein gutes Stück zurück. Fast in der N?he, wo wir die Wasserquelle gefunden haben“, vermerkte sie und blickte auch Shanna an, die es verstehend zur Kenntnis nahm.
?Das w?re eventuell nützlich, noch einmal sich frisch zu machen, ordentlich zu trinken und für die Kinder… eine kleine Pause einzulegen. Sie sind nicht wirklich zur Ruhe gekommen“, schlug Shanna vor und richtete ihre Aufmerksamkeit auf Hamish, weil die Kinder nun in seinem Verantwortungsbereich befanden. ?W?rt ihr damit einverstanden?“
?Mir ist es egal, solange ich nur bei dir bin, mo àilleag“, mischte sich Neil l?chelnd ein, der neben sie getreten war und mit Absicht… die N?he von Shanna suchte.
?Du… vertraust ihr wirklich, Neil? Dieser J?gerin?“, brummte Hamish weiterhin warnend darauf, als würde er es nicht wirklich akzeptieren. Wo er noch in seinem K?fig gesessen hatte, war dieser Wolf umg?nglicher gewesen, dachte Emily sich.
?Aye, ich vertraue Shanna. In jeglicher Hinsicht und weil sie auch meine Gef?hrtin ist. Daher dulde ich deine Respektlosigkeit ihr gegenüber nicht“, warnte nun Neil dem anderen Wolf gegenüber, ein Arm legte sich um Shannas Schultern. Eine durchaus besitzergreifende Geste. ?Du solltest dankbar sein, Hamish, immerhin haben die beiden ihr Leben riskiert und haben nicht nur mich befreit, sondern auch dich und die beiden Jungen an deiner Seite“, wies er weiter darauf hin und deutete mit einem Nicken auf den Nachwuchs unter ihnen. ?Wenn das nicht ein kleiner Vertrauensbonus verdient, dann frage ich mich… ob deine Ehre als Schotte dann überhaupt noch z?hlt“, sprach Neil nun bedrohlich und beide W?lfe schauten sich fixierend animalisch an. ?Shanna ist ebenso ein Teil unseres Rudelclans der MacKenzie und ihre Verbindung steht zu uns, also verbiete ich deine Respektlosigkeit. Aber wenn du dann immer noch kein Vertrauen uns gegenüber empfindest, kannst du gerne deiner Wege gehen und wir unsere eigenen. Aye, wir werden dieses Versprechen eingehen, das Shanna und ihre Schwester für euch gegeben haben, indem wir sie finden und befreien, aber dann wirst du nicht an deren Seite sein, weil dein Vertrauen einfach im Arsch ist.“
?Du spuckst hier m?chtige T?ne, Sonnenschein“, hauchte Hamish finster und rau. Emily konnte die unangenehme, knisternde Atmosph?re deutlich spüren und das floss wie eine G?nsehaut über ihren K?rper. ?Liegt das vielleicht daran, dass du… dich jetzt in diese Bestie verwandeln kannst?“
Neils Gesicht verdunkelte sich zunehmend. ?Du…“
?H?rt auf! Wir k?nnen diese Streitereien jetzt nicht gebrauchen“, unterbrach Shanna, die sich zwischen sie beide mit ausgestreckten Armen stellte. Dann war es auf einmal ruhig und keiner sprach mehr. Nur Blickkontakte fielen hin und her, w?hrend Emily das von au?en beobachtete und spürte, wie die beiden Kinder zu ihr gelaufen kamen, als spürten sie ebenfalls diese Bedrohung zwischen den beiden und verkrampften sich an ihr geklammert. Verwundert sah sie an sich hinab. Hatten sie… solch ein Vertrauen zu ihr?
Keine Minute sp?ter trat Neil zurück. ?Na sch?n… ich bin friedlich“, knurrte er nun laut auf und Emily hob verwundert eine Augenbraue. Hatte sie etwas überh?rt? Sie war sich nicht sicher, ob sie Worte vernommen hatte, aber zwischen Shanna und ihrem Wolf musste eine gewisse Akzeptanz und Kommunikation vonstattengegangen sein.
Hamish zischte und ruckte mit seinem Kopf zurück, als h?tte er diese komische stille Auseinandersetzung verstanden. Was auch immer vor sich ging, dies musste etwas mit den Gestaltenwandlern zu tun haben. Etwas, was Emily und vielen anderen Au?enseitern nicht gestattet war. ?Sch?n, aber wehe… es ist irgendein Hinterhalt, dann rei?e ich jeden Einzelnen hier in Stücke.“ Er zog die Kinder wieder zu sich, weil er es nicht tolerierte, dass sie bei Emily blieben. ?Geht ruhig vor, wir folgen euch“, sagte Hamish und wies sie an, vorauszugehen. Eine offensichtliche Aufforderung, weil er sie so im Blick halten konnte, wenn sie die Nachhut bildeten.
?Passt aber auf, wenn etwas von hinten kommt“, wandte Emily sich jetzt wieder zum ersten Mal ein und nickte den Kindern zu, weil sie eine Weile mit ihnen unterwegs war und sie verstanden hatten, welche Gefahr hier lauerte, wenn jemand unvorsichtig war. Danach marschierte Emily los, ohne noch einmal zurückzublicken oder darauf zu achten, wer ihr folgte. Nach einigen Minuten gesellte sich Shanna neben sie und berührte sie federleicht an der Schulter, was eine Aufforderung um ihre Aufmerksamkeit beanspruchte. W?hrend des Weitergehens wandte sie ihr Gesicht zu ihr herum, die sie aufmerksam beobachtete.
?Kann ich dich etwas fragen?“, forderte Shanna leicht auf, aber Emily konnte keine Reaktion in ihrem Gesicht erkennen, was sie wollte. Sie hatte ihre Mauer wieder aufgebaut. Ihr gegenüber.
?Sicher“, sagte Emily nickend und wartete auf weitere Worte von ihrer Schwester.
Ihr Mund blieb eine Weile still, aber formte sich nach und nach zu Worten. Leise und doch verst?ndlich für sie. ?Was hat der Wissenschaftler damit gemeint, Emily? Als er fragte, warum du hier bist und dass du dich aus seinen Angelegenheiten heraushalten sollst? Das ihr einander etwas versprochen habt? Was hattet ihr für eine Vereinbarung? Hast du etwas mit dieser Sache zu tun, was sie hier an Experimenten fabrizieren?“ Ihr violetter Blick wurde hart und unbarmherzig, aber Emily konnte Shanna nur anstarren.

